Projektmanagement: Laterales Führen

Laterales Führen steht für Führung ohne disziplinarische Verantwortung. In meinen Seminaren werde ich häufig gefragt, wie das genau funktioniert. In der Regel finden sich Projektmanager in Matrixorganisationen in dieser Situation wieder. Sie befinden sich in der häufig zitierten Sandwichposition mit diversen Ziel- und Interessenskonflikten, in der der Auftraggeber Projektergebnisse sehen will, Mitarbeiter nur zu einem Teil für das Projekt abgestellt werden und die Linienführungskraft ein starkes Interesse hat, ihr Liniengeschäft zu erledigen.
Konflikte sind hier vorprogrammiert und gehören quasi zum Tagesgeschäft des Projektleiters. Die disziplinarische Weisungsbefugnis als „Machtmittel“ entfällt und es müssen hier andere Möglichkeiten genutzt werden. Ein Aspekt der Lateralen Führung ist es deshalb, einen gemeinsamen Rahmen für eine erfolgreiche Kooperation zu schaffen. Ein Rahmen, in dem die unterschiedlichen Interessen der Projektteammitglieder Berücksichtigung finden und zur Zielerreichung des Projektes beitragen.

Welche Fähigkeiten und Führungskompetenzen benötigt der Projektmanager für Laterale Führung?

Wie so häufig ist auch hier eine der Kernkompetenzen – wer hätte es gedacht – die Kommunikation. Wenn ich als Projektleiter das persönliche Gespräch scheue, vielleicht lieber hinter meinem Schreibtisch sitzen bleibe und lange Mails mit großem Verteiler an meine Mitarbeiter schreibe, führt dieses sicherlich zu einem Arbeitsergebnis. Die direkte und persönliche Kommunikation kann es allerdings nicht ersetzen.
Frage: Wann haben Sie das letzte Mal alternativ zum Hörer gegriffen oder sind einfach mal kurz bei Ihrem Mitarbeiter vorbeigegangen? Und wie war das Ergebnis – verglichen mit einer Mail?
Mit meinen Seminarteilnehmern arbeite ich zum Thema Führungsstile u.a. dahingehend, dass sie sich ihrer eigenen Führungswerte und Führungshaltung bewusst werden. Denn diese tragen sie direkt und indirekt (dafür aber sehr deutlich) nach außen und haben damit Einfluss auf ihre Projektmitarbeiter.
Frage: Welche Werte sind Ihnen wichtig? Wenn Sie führen-und wenn Sie geführt werden.
Eine weitere Führungskompetenz ist die Empathiefähigkeit, um sich in den Gesprächspartner hineinfühlen zu können. Wenn sich Ihre Projektmitarbeiter verstanden fühlen, haben sie mehr Vertrauen und Selbstvertrauen und sind tendenziell leistungsfähiger. Empathie können Sie nicht lernen? Stimmt. Sie ist angeboren. Sie können Empathiefähigkeit allerdings trainieren.
Beenden Sie für sich den Satz: Das letzte Mal war ich empathisch als….
Eine weitere wichtige Kompetenz ist der Umgang mit Konflikten. Die Gründe für Konflikte im Projekt sind vielfältig und können zum Beispiel sein: Verteilung von Ressourcen zwischen Linie und Projekt oder Beziehungskonflikte innerhalb des Teams. Hier ist der Projektleiter gefordert auch im Konfliktfall die Arbeitsfähigkeit seines Projektteams aufrecht zu erhalten.
Welcher Konflikttyp sind Sie persönlich? Scheuen Sie keinen Konflikt oder suchen Sie sie vielleicht sogar? Oder haben Sie kaum Konflikte, da Sie sie bewusst vermeiden?
Frage: Wenn Sie ein Konfliktmotto hätten. Wie würde es lauten?
Die Fähigkeit der Selbstreflexion und die Bereitschaft, an der persönlichen Weiterentwicklung zu arbeiten und dabei auch mal die Komfortzone zu verlassen, sind weitere wichtige Bausteine.
Laterales Führen in Projekten ist eine anspruchsvolle und herausfordernde Aufgabe, der sich täglich in den unterschiedlichsten Unternehmen und Branchen Projektmanager stellen.

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